10 Jahre Bildungspate – Rückblick und Resüme

 

10 Jahre haben meine Frau und ich drei Töchter einer türkischstämmigen Familie als Bildungspaten begleitet. Sicherlich ein Grund, die gewonnenen Erfahrungen zu teilen und ein Resümee zu ziehen.
Auf Vermittlung der Freiwilligenbörse Ratingen haben wir uns Ende 2007 kennengelernt. Die Mädchen waren im Alter 4, 9, 10 Jahre. Von vornherein überzeugte mich der Wunsch der ganzen Familie, Hilfe für2018-Bildungspatentandem2 den schulischen Ablauf zu bekommen. Ich startete also mit der Betreuung der zwei älteren Mädchen (2 Nachmittage in der Woche). 2009 waren dann alle drei Mädchen zu unterstützen, zu diesem Zeitpunkt kam auch meine Frau als Bildungspatin dazu.

Wir verbrachten die Zeit gemeinsam in der Wohnung, d.h. in der gewohnten Umgebung, was allerdings manches Mal zu Problemen führte (2 „Lehrer“, 3 „Schüler“). Daher waren wir froh, später auf die Räumlichkeiten der ABL ausweichen zu können.

Wir kümmerten uns um alle Schulfächer, je nachdem was gerade anlag. Wir lernten im Laufe der Zeit fast alle Schulformen kennen – Förderschule, Hauptschule, Grundschule, Realschule, Gesamtschule, Berufskolleg.

2017 haben wir die Unterstützung der schulischen Aktivitäten beendet, da nur noch die Jüngste die Schule besuchte und wir nach Düsseldorf umgezogen sind.

Die intensive Zusammenarbeit brachte es natürlich mit sich, dass wir neben den rein schulischen Aktivitäten auch viele andere Erlebnisse teilten, wie gemeinsame Kochabende, Einladungen bei anderen Familienmitgliedern, mehrere Besuche von türkischen Hochzeiten, gemeinsame Ausflüge, ….

Nach dieser für beide Seiten intensiv gemeinsam erlebten Zeit stellt sich die Frage: Hat es was gebracht?

Nun, lassen wir die Realität sprechen:
Die Jüngste geht inzwischen in die 8. Klasse der Gesamtschule, kommt ohne Hilfe zurecht und hat die Hoffnung auf einen guten Abschluss.
Die Mittlere macht eine Ausbildung als Kinderpflegerin.
Die Älteste hat eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement abgeschlossen und wurde vom Ausbildungsbetrieb unbefristet übernommen.

Niemand wird je feststellen können, welchen Anteil unsere Bemühungen an dieser sehr positiven Entwicklung hatten, aber alle Beteiligten sind froh und glücklich, diesen Weg gemeinsam zurückgelegt zu haben.

Schließlich haben auch wir von dieser Zeit profitiert: Das freundschaftliche Verhältnis, das wir gewonnen haben, hat uns viele Erlebnisse beschert, die wir sonst hätten missen müssen. Alle diese Erfahrungen hatten mich auch bewegt, nach der Gründung der ABL im Vereinsvorstand bis 2017 mitzuarbeiten.

Vielleicht ist dieser Erfahrungsbericht für den einen oder anderen eine Anregung, unsere Vereinsarbeit, sei es als Mitglied, als Förderer oder auch als Bildungspate, zu unterstützen.

Jürgen Weinmann