Bildungspaten-Tandems erzählen

 

Eine Patenschaft über die Schulzeit hinaus

Im Sommer 2010 lernte ich J. in einem Patenprojekt kennen. Sie war damals 11 Jahre alt. Heute wird J. bald 19 Jahre und wir treffen uns immer noch einen Nachmittag in der Woche.

Damals ging J. in die 3. Klasse einer Förderschule in Mettmann mit dem Schwerpunkt Sprache. Ihre Zeugnisnoten waren ausreichend bis mangelhaft. Ich lernte ein verschlossenes und abweisendes Kind kennen, das nie lachte.

2018-Bildungspatentandem1Wir trafen uns anfangs in der Ratinger Stadtbücherei, um das Lesen zu üben. Zu meiner Verblüffung las sie zwar etwas langsam aber richtig, jedenfalls den ersten Teil eines Satzes, doch beendet hat sie die meisten Sätze meist völlig anders als sie im Buch standen. Das fand ich äußerst ungewöhnlich und als ich sie fragte, ob sie gerne hätte, dass der Satz bzw. die Geschichte so weitergeht, wie sie es sagte, lächelte sie zum ersten Mal. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis, denn ich begriff, dass ich hier ein sehr phantasievolles Kind vor mir hatte.

Ich habe ihr deshalb später vorgeschlagen selbst eine Geschichte zu schreiben - mit Erfolg. Inzwischen ist Teil 3 einer unendlichen Geschichte in Arbeit. Ihre Welt sind die Ninjas, vermischt mit Personen und Ereignissen aus ihrem Leben. Dabei sind ihre Phantasie und ihre Ausdrucksweise erstaunlich. Mal sehen: vielleicht wird eines Tages ein echtes Buch daraus.

Durch Beobachten und Zuhören stellte ich dann fest, dass J. auch ein kluges und wissbegieriges Kind war, jedoch mit vielen negativen Erfahrungen. Vor allem fehlte ihr jedoch jegliches Selbstvertrauen. Gelobt zu werden war für sie eine völlig neue Erfahrung.

Als J. ab der 5. Klasse auf eine gleichartige Förderschule nach Düsseldorf wechseln musste, bestanden die Noten auf ihrem ersten Zeugnis aus 1 x sehr gut, 6 x gut und 1x befriedigend. Diese positive Entwicklung hat J. größtenteils ganz alleine geschafft. Denn wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt erst ein gutes Jahr und haben bei unseren wöchentlichen Treffen nur sehr selten "Schularbeiten" gemacht. Stattdessen habe ich ihr Selbstvertrauen vermittelt.

Schon bald verlegten wir unsere wöchentlichen Treffen zu mir nach Hause mit der Folge, dass wir u.a. zusammen gebacken und gekocht haben. Aber vor allem reden wir viel, über "Gott und die Welt", über Politik, Literatur, Kultur, Religion usw., gehen ins Kino, Schauspielhaus und die die Oper.

Auch die nicht ganz einfache Zeit der Pubertät haben wir inzwischen gut überstanden. Mit Frau Devasia-Demming, die inzwischen die Allianz Bildung & Lernen e.V. gegründet hatte, habe ich weiterhin Kontakt gehalten. Sie hat mir so manchen wertvollen Tipp gegeben.

Während der Schulferien hat J. ein Schnupperpraktikum im Buch-Café Peter & Paula und eines bei der Firma Tünkers gemacht. Im letzen Sommer hat sie mit gutem Abschluss die Schulzeit beendet und sich eigenständig um einen Ausbildungsplatz bei der Firma Tünkers beworben mit der Folge, dass sie heute eine von vier Lehrlingen ist, die die Firma Tünkers im Herbst 2017 eingestellt hat. Sie hat großes Interesse an der Arbeit dort, ist absolut zuverlässig, pünktlich und fleißig.

Aus dem verschlossenen Kind von damals ist ein fröhliches junges Mädchen geworden, neugierig auf die Welt und mit großen Zukunftsplänen.

Es macht mir sehr viel Freude, diese Entwicklung auch weiterhin zu begleiten, denn es ist J. Wunsch, dass wir uns nach wie vor einmal wöchentlich treffen.

Meine eigenen drei Enkelkinder sind inzwischen erwachsen und ich bin im Un-Ruhestand und das Wort Langweile war für mich immer schon ein Fremdwort.

Gerda Herrmann


Als ich Frau Herrmann das erste Mal sah, habe ich mir gedacht: „Nicht schon wieder so Eine! Tja, aber dies wird ja auch bald zu Ende sein“. Die Treffen am Anfang liefen meistens nach demselben Schema: Donnerstag nach der Schule Treffen um 16 Uhr am Berliner Platz in Ratingen West. Das häufige Treffen war eigentlich dafür gedacht, dass ich besser Lesen lernen sollte, doch daraus wurde nach einiger Zeit nichts mehr. Aus dem ständigen Vorlesen wurde das Fördern meiner Fantasie, die Frau Herrmann entdeckt hat. Ich lass zwar mit Augen das Richtige, doch durch meine Fantasie kamen die falschen Sätze.

Je besser ich mich mit Frau Herrmann verstand, des so lieber hatte ich sie. Sie wurde für mich wie eine dritte Oma. Dadurch das meine Fantasie so groß war, hat Frau Herrmann mich auf die Idee gebracht: „Wie wäre es wenn du deine Fantasie auf ein Blatt Papier bringst“. Dies tat ich dann auch.

Ohne Frau Herrmann und Frau Devasia-Demming hätte ich damals nie den Job bei TÜNKERS gekriegt für meine Ausbildung. Alles in allem bin ich glücklich, dass ich Frau Herrmann gekriegt habe als Patin und nicht irgendwen anderes. Ich hoffe für die Zukunft, dass es noch so gut mit Frau Herrmann weiter klappt und dass andere Patenkinder auch so ein Glück haben wie ich.


Lernen durch Sprechen

Mein Name ist Gertrud Claus, durch meinen Beruf als  Buchhändlerin, habe ich sehr viel mit Sprache und Erzählen zu tun. Der tägliche Umgang mit Kunden, ob jung oder alt, hat mich geschult im Umgang mit vielen verschiedenen Menschen.

Da ich nur noch stundenweise arbeite, kam mir das Angebot, als Patin bei der Allianz Bildung & Lernen ehrenamtlich zu arbeiten, sehr gelegen.bildungspate_claus1

Seit April betreue ich den 12jährigen M. in der Gesamtschule einmal in der Woche. Anhand von Arbeitsmaterial erarbeiten wir gemeinsam die Aufgaben. Immer wieder unterbrechen wir die Arbeit und unterhalten uns einfach miteinander. Dadurch ist eine sehr lockere Atmosphäre entstanden, in der ich M. die deutsche Sprache “durch Sprechen” vermitteln kann. M. zeigt hierbei immer wieder, wie interessiert und wissbegierig er ist. Es macht mir großen Spaß mit ihm und auch mit seiner Familie Kontakt zu haben und ich bin sicher, dass diese Gespräche sehr wichtig und hilfreich sind für die Integration dieser Familie

Ich kann Sie nur dazu ermutigen, Ihre Zeit und Ihr Wissen für die Kinder einzubringen. So haben sie die Chance, auch ein wenig mehr Zuwendung zu bekommen, die sie dringend brauchen.

Gertrud Claus


Seit ich mit Frau Claus zusammen für die Schule übe, bin ich in Deutsch viel besser geworden. Ich verstehe mehr und spreche besser, weil ich die Sätze jetzt vollständig spreche und ich lese besser. Deshalb kann ich mich mehr melden und mitarbeiten im Unterricht. Ich kann Frau Claus immer fragen, wenn ich etwas nicht verstehe und wenn ich es dann kapiert habe, ist es besonders schön. Wir haben viel Spaß zusammen und unternehmen ab und zu Ausflüge in den Ferien.